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Ein ganz besonderer Vormittag

Wir schreiben den 14.06.2021. Man könnte meinen, es handle sich um einen ganz gewöhnlichen Schultag an der AFS Molbergen, wären da nicht 5.-Klässler:innen mit Interviewzetteln und Lektüren in der Hand, eine ganze Kleingruppe, die in beiden großen Pausen Fragen des gesamten Jahrgangs 5 ordnet und Lehrer:innen, die zufrieden die bereits freitags zuvor getesteten Tafeln und Laptops einem letzten Technik-Check unterziehen. Die Vorfreude aller Anwesenden ist eindeutig spürbar. Was aber kann es sein, das den ganzen Jahrgang 5 in eine solche Aufregung versetzt?

Die getroffenen Vorbereitungen dienen der Teilnahme an einer Autorinnenlesung von Renate Ahrens zur Lektüre „Rettet die Geparde“ aus der deutsch-englischen Kinderkrimireihe „Detectives at work“, die fächer- und klassenübergreifend im Englisch- und Deutschunterricht gelesen wird. Im Vorfeld des heutigen Tages haben alle Kinder die sie interessierenden Fragen zu Entstehung, zum Inhalt, zur Autorin und zum Hintergrund der Lektüre gesammelt und an eine Moderationsgruppe weitergeleitet, die diese ordnet und der Autorin in Eigenregie vorträgt. Bei Fragen, die sich während der Lesung ergeben, sind zusätzlich „Frage-Überbringende“ eingeteilt worden, die die Moderationsgruppe kurzfristig mit weiterem „Fragenmaterial“ versorgen. Alle freuen sich sichtlich auf den direkten Austausch mit der Autorin, der per Videokonferenz in die Räume der 5. Klassen übertragen wird. Als die letzten technischen Unwegbarkeiten wie stockende Bilder und schräg sitzende Frisuren aus dem Weg geräumt sind, geht es auch schon los.

Frau Böckmann stellt kurz alle Anwesenden vor und Amelia aus der 5c begrüßt die Autorin im Namen aller Schüler und Schülerinnen. Frau Ahrens eröffnet die Lesung mit einer kurzen persönlichen Vorstellung. Die 1955 in Herford geborene Anglistin und Romanistin zeichnet ihren berufsbiographischen Weg vom Lehramt in die Autorenschaft nach und gibt Einblick in ihre Lebensstationen in Frankreich, Südafrika und Irland. Wie aber kommt man auf die Idee, einen Kinderkrimi mit dem Titel “Rettet die Geparde“ zu verfassen? Mit ihrem Mann habe sie viele Länder bereist und dort auch gelebt, so Renate Ahrens. So kam es, dass sie eines Tages eine Reise in die Khalahari-Wüste in Südafrika unternommen hätten. Weil in dieser Wüste viele scheue und doch gefährliche Großkatzen leben, sei die Khalahari-Wüste nicht zu Fuß zu bereisen. Also wählte man das gängige Fortbewegungsmittel, den Jeep. Schnell war um den Wagen herum nur große Weite, blauer Himmel und orange Erde zu sehen. Schier unendliche Savannen erstreckten sich vor den Augen der Autorin, ebenso wie kleine Sträucher und poröse Steine. Minuten vergingen, ohne dass sich etwas regte. Doch plötzlich eine Bewegung im linken Fenster des Autos. Nach einem Rascheln bot sich das Bild goldbraunen Fells und dunkler Augen. Majestätisch und großartig anzusehen, mit schlankem Körper und kräftigen Beinen, kreuzte plötzlich eine Gepardin den Weg der Wüstenbesucher.

Noch am selben Abend notiert die Autorin in ihr Reisetagebuch: „Eines Tages schreibe ich eine Kindergeschichte über Geparde“. Und diese liegt den gespannt zuhörenden Schüler:innen nun in Buchform vor. Darin geht es um Niklas, der nicht gerade begeistert über seinen Umzug nach Südafrika ist. Seine Eltern drehen in Kapstadt einen Film und die ganze Familie zieht für drei Monate nach Camps Bay. Und das, obwohl Niklas gerade erst einen Detektiv-Club mit seinen Hamburger Freunden gegründet hatte. Doch schneller als gedacht erweist sich Südafrika als Hotspot für Detektive wie Niklas. Da sind z.B. ein mysteriöser Mann im weißen Opel, eine geheimnisvolle Frau im Supermarkt und ein verdächtiger Transport nach Deutschland. Eine spannende Aufklärungsjagd beginnt, bei der Nikas tatkräftige Unterstützung von seiner Schwester Lea und seinen neuen Freunden Johnny und Julie bekommt.

Die Kinder lauschen gebannt der Autorin, einige beginnen zum Gehörten zu zeichnen, einige lesen parallel im Buch mit. Mit dem Impuls „Stellt euch mal vor, ihr wärt Autor oder Autorin. Wie würdet ihr die Geschichte weiterschreiben?“ eröffnet Renate Ahrens die Diskussion zum Buch und dessen Inhalten. Es werden Wege der Schmuggler, Flugzeugkontrollen und Interessenten für geschmuggelte Wildtiere von der AFS-Leserschaft ins Feld geführt. Um nicht zu viel zu verraten, lässt die Autorin aber offen, wie sie die Geschichte, die nun bis zu den Sommerferien um Unterricht thematisiert wird, weitergeführt hat.

Renate Ahrens erzählt, dass es ihr ein Anliegen gewesen sei, keine klassische zweisprachige Lektüre mit Lernvokabeln und Anmerkungen zu verfassen, sondern dass Englisch in ihren Romanen z.B. als natürlicher Teil von einfachen Unterhaltungen auftaucht und quasi selbsterklärend ins Geschehen eingebettet wird. Die Kinder spiegeln ihr, dass ihr dieses wohl gut gelungen sei. Gefragt danach, wie der Beruf als Autorin so aussähe, berichtet Renate Ahrens, wie lange es von der Ursprungsidee bis zum fertigen, druckfrischen Erstexemplar des Romans „Rettet die Geparde“ dauerte. Sie berichtet von den umfangreichen und intensiven Recherchen zur Geschichte, der sorgsamen Auswahl der Hauptpersonen und den vielen Korrekturen nach Diskussionen im Freundeskreis und nach Gesprächen mit der Lektorin des Verlags. So wird schnell deutlich, dass es bis zu zwei Jahre von der Idee bis zum ersten Druck des Buches dauerte.

Nach Ende des 75-Minuten-Blocks dürfen sich ganz Unermüdliche im Gruppenraum weiter mit der Autorin unterhalten. Erst der niedrige Akkustand des Laptops beendet den regen Austausch. „Die war echt cool. Machen wir das nochmal?“ Schöner als mit diesem Satz von Tom kann die Veranstaltung nicht enden. Die Lektürevorstellung von Renate Ahrens hat die Schüler:innen der AFS bereits hungrig auf weitere spannende Geschichten aus der Krimireihe und aus der Feder der Autorin gemacht. Bereits morgen werden alle weiter im Buch lesen und sich fantasievoll und kreativ mit dem Krimi und den Informationen drumherum auseinandersetzen. Der ganze Jahrgang und das Lehrerinnen-Team sagen „Danke“ für eine inspirierende Lesung!